Vergesellschaftung von Nagern nach der Trenngitter-Methode

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Warum ist das Thema Vergesellschaftung so wichtig?

Im Leben eines jeden Züchters oder Halters von Nagetieren, kommt es zu einer großen Wahrscheinlichkeit zu folgender oder ähnlicher Situation. Man hat z. B. eine Zweiergruppe Rennmäuse (oder andere Nager), plötzlich verstirbt der Partner des Nagetiers und befindet sich allein. Das ist eine Situation die sehr traurig ist, für den Halter / Züchter, als auch für das überlebende Tier.  Oder eine andere Situation: Nagerpaar bekommt Nachwuchs. Dort ist die Konstellation so, das es nur ein weibliches oder männliches Tier gibt und der Rest andersgeschlechtlich. Man kann sie nicht weiter zusammen leben lassen, da sie schnell geschlechtsreif werden (Vorsicht vor Inzucht). Also müssen die Tiere getrennt werden. Aber ein Tier allein ist keine Lösung und wird vermutlich auch schwer zu vermitteln sein. Und eine Kastration kommt aus verschiedenen Gründen vielleicht nicht in Frage. Dann muss ein neues Tier her, denn allein sollte keines dieser Tiere leben, wie bereits an anderer Stelle erwähnt.

Nun soll also ein neuer Partner für das Tier her. Falls das Tier schon älter ist, sollte man versuchen ein gleichaltrigen Partner zu suchen (allerdings ist hier die VGS –ab hier kürze ich das Wort Vergesellschaftung mit VGS ab, aus Gründen der besseren Lesbarkeit- häufig schwieriger durchführbar). Wenn man allerdings einen jüngeren Partner sucht, besteht das große Risiko das nach ein oder zwei Jahren, dass jüngere Tier ebenfalls einen neuen Partner braucht, da die ältere verstorben ist.

Man kann jedoch nicht einfach ein wildfremdes Tier zu dem anderen Nager in das/dem Terrarium / Käfig setzen. Diese müssen sich erst einmal aneinander gewöhnen und das nennt sich dann VGS.  Es gibt verschiedene Möglichkeiten einer VGS, aber das wird noch in einem weiteren Kapitel näher erläutert und vor allem auf die Trenngitter-Methode wird näher eingegangen. Auch was als erstes zu beachten gilt.

 

Neue Tiere ins Haus holen, achtet auf vorläufige Quarantäne

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, und ein neues Tier wurde von einem Züchter oder Halter, oder aus dem Tierschutz geholt. Ich bitte noch mal eindringlich, sich keine Tiere aus Zoofachgeschäften oder Tierhandlungen zu holen.

Da niemand diese neuen Tiere kennt, ist es wichtig (vor allem wenn man mehrere Tiere zuhause hält), dass das neue Tier erstmal für ca. 14 Tage in Quarantäne gehalten wird.  Am besten in einem Kleintierkäfig oder Aquarium, da dies nicht zu starken räumlichen Problemen führt. Nach Möglichkeit sollte das neue Tier räumlich getrennt von den anderen Tieren gehalten werden. Sprich also in einem anderen Zimmer, für die Zeit der Quarantänehaltung.  Nach jedem Kontakt mit dem neuen Tier bitte gründlich Händewaschen und erst anschließend zu den anderen Tieren gehen.

Es gibt leider extrem viele Negativbeispiele in denen sich Züchter / Halter, die unvorstellbarsten Krankheiten durch neue Tiere ins Haus geschleppt haben und teilweise ganze Bestände erkrankt oder gar gestorben sind. Also hier sollte man wirklich mit Vorsicht walten. Vorsicht ist in diesem Falle besser als Nachsicht.

In der Zeit der Quarantänehaltung ist es besonders wichtig das neue Tier genau zu beobachten. Falls irgendwelche Auffälligkeiten sein sollten, sollte man zügig einen Tierarzt aufsuchen und es abklären lassen. Erst nach ca. 14 Tagen, sollte so langsam mit der VGS mit dem neuen Partnertier begonnen werden.

 

Warum VGS mit der Trenngitter-Methode?

Es gibt verschiedene Formen von der VGS. Zum Beispiel gibt es eine, wo man die Tiere in die Badewanne setzt, manche Halter füllen Wasser in die Wanne, ein paar cm hoch. Stellen in die Mitte einen Ziegelstein, wo sich die Tiere treffen sollen. Und je nach Verhalten sich gegenseitig akzeptieren und man sie so dazu bringen möchte sich aneinander zu gewöhnen.

Dann gibt es noch die Box-in-Käfig/Terrarium-Methode. Da wird der neue Partner in einer kleinen Box in das Terrarium des anderen gestellt, damit diese sich „beschnuppern“ können. Ich persönlich halte von dieser Methode nicht viel, hier wird ein Tier bevorzugt behandelt, nämlich das Tier, welches im Terrarium ist und das andere Tier, welches in der kleinen Box ist, ist sehr eingeschränkt und kann kaum etwas anderes machen, also sich beschnuppern zu lassen. Auch nicht von der mit der Badewanne halte ich nicht sonderlich viel, zumindest nicht die „nasse“ Methode.  Ich bevorzuge die Trenngitter-Methode. Nicht nur weil ich denke, das diese besonders schonend ist, und beide Tiere gleich behandelt werden, sondern auch weil jeder noch seinen Freiraum hat. Außerdem habe ich mit dieser Methode unglaublich viel Erfolg erzielen können, nahezu 100% Erfolgsquote. ABER die Rede ist hier von Lebewesen, jedes hat seine individuellen Eigenheiten und somit ist es keine Garantie für eine erfolgreiche VGS.

Wichtig zu erwähnen ist, dass das erste richtige Treffen, wo also beide Tiere direkten Kontakt miteinander haben, auf einem neutralen Boden stattfinden sollte (ich nutze dafür einen Kleintierkäfig oder auch die Badewanne, ohne Wasser). Außerdem tummeln sich immer noch einige Mythen, was bei einer VGS wirklich hilft, sämtliche Anwendungen von Deo, Parfum, Sprays, Puders usw. (zum überdecken des Geruches der Tiere) ist absolut schädlich und Tierquälerei! Ich muss es hier leider so offen ansprechen, da immer noch viele Menschen der Meinung sind, dass dies nicht schädlich sei und es Erfolg haben wird. Nein, es ist Tabu!

 

Wie sieht denn die VGS mit Trenngitter-Methode aus?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Viele nutzen für die VGS ein extra Vergesellschaftungsbecken (Aquarium), welche nicht sehr groß ist. Mittig wird ein Gitter verbaut, so dass zwei gleichgroße Seiten entstehen.  Ich persönlich halte nichts von Aquarien, aus dem Grunde, weil dort die Belüftung nicht gut ist. Und durch den Urin Ammoniak-Dämpfe  entstehen, die auch für die Tiere nicht gesund sind. Auch wenn die Tiere nur 8 – 14 Tage in diesem Käfig sein werden.

Ich habe in meinem Terrarium extra Vorrichtungen angebracht, damit ich in jeder einzelnen Ebene (ein Bereich für eine Gruppe/Pärchen), ein solches Trenngitter möglichst schnell installieren kann. Viele haben mich gefragt, wie genau macht man dies. Auch das es stabil wird und keine Gefahr besteht, dass das Trenngitter umstürzt (habe bei vielen Trenngittermethoden im Aquarium gesehen, dass die Trenngitter nicht sonderlich stabil waren).  Wie genau das dann ausschaut, dazu könnt ihr euch einfach das unten stehende Video anschauen. Dort ist es recht verständlich erklärt, wie ich es dort installiere.

 

Es ist ratsam, das Tier, welches schon längere Zeit bei Euch ist, in „seinem“ Terrarium bleibt und dort ein Trenngitter verbaut wird. Der Vorteil daran ist, dass zu einer größeren Wahrscheinlichkeit dieses Tier das Alphatier wird. Denn Nager haben ihre eigenen Territorien, welche sie bis auf Blut verteidigen.  Kann ein Vorteil, als auch ein Nachteil sein für die VGS.
Aber bisher bin ich damit gut gefahren. Dieses Terrarium wird mittig mit einem Trenngitter abgeriegelt. Auf der einen Seite bleibt euer „älteres“ Tier und auf der anderen Seite kommt das neue Tier hinzu.

Ausstattung des Terrariums während einer VGS

Auf beiden Seiten kommt möglichst wenig Einstreu (5-10 cm reichen vollkommen aus) und jeweils eine kleine Hütte, oder Kokosnussschale oder ähnliches, als Versteckmöglichkeit, ein Trink- und Futtergefäß.
Kein Spielzeug, kein Laufrad oder ähnliches. Dies wirkt nur ablenkend, immerhin sollen die Beiden sich auf den jeweiligen Nachbarn konzentrieren. Ein wenig Einstreu ist aber wichtig, damit sie sich ihre eigenen Nester bauen können.

Als nächstes heißt es beobachten, wie verhalten sich die Tiere am Trenngitter (wenn auf ausreichend Pufferzone zwischen den zwei Gittern geachtet wird, sollte es nicht zu Beißattacken kommen).

Wie wird anschließend weiter agiert?

Es sollte jeweils zweimal am Tag die Seite gewechselt werden.  Also Tier von der linken Seite kommt auf die Rechte und das von der Rechten auf die linke Seite.  Manche Züchter empfehlen es, zuvor die Nester der jeweiligen Tiere zu zerstören. Ich habe es bisher nie gemacht und es kam auch nicht zu Problemen.
Vermutlich wird es am Anfang so sein, dass die Tiere erstmal alles beschnuppern und das Nest des Vorgängers auseinander nehmen (so lange das passiert, bringt es nichts die Tiere zusammen zu führen).  Es ist wichtig immer wieder die Begegnungen am Trenngitter zu beobachten. Zeigen sie eine Aggressivität oder eher Neugierde?

Nach ein paar Tagen kann man versuchen die jeweiligen Tiere an einem NEUTRALEN ORT zusammen zu bringen. Dies ist zum Beispiel in einem Kleintierkäfig oder aber in der Badewanne oder einem Karton möglich. Was wird dafür benötigt? Ich empfehle einen Käfig/Badewanne oder Karton, außerdem einen dickeren Handschuh, falls die Tiere sich verbeißen sollten, muss man dazwischen gehen, und der Handschuh dient nur zum eigenen Schutz. Leckerlies und jeweils zwei kleine Transportkäfige wären sinnvoll.  In die Transportkäfige findet der Transfer zwischen Terrarium und Badewanne/Kleintierkäfig/Karton statt. Es ist wichtig darauf zu achten, dass beide Tiere am neutralen Ort gleichzeitig laufen lassen werden.

Nun heißt es auch hier wieder, beobachten. Kleine Rangeleien sind vollkommen normal und so werden die Grenzen abgesteckt und auch klar gemacht, wer hat nun das Sagen. Das ist vollkommen normal und es sollte dort nicht eingegriffen werden. Erst wenn es zu größeren Beißattacken kommt, solle man angreifen. Diese Phase des Kennenlernens sollte in etwas 10 – 15 Minuten dauern und unter permanenter Aufsicht erfolgen, damit notfalls eingegriffen werden kann.

Diese gemeinsamen Treffen sollten täglich wiederholt werden. Auch gern zweimal am Tag. Aber es sollte auch weiterhin ein ständiger Wechsel der Seiten im Terrarium erfolgen. Wenn die Tiere das Nest des jeweils anderen nicht mehr zerstören und auch bei gemeinsamen Treffen (im Käfig/Karton oder Badewanne) sogar aus einem Napf fressen, dann ist es so gut wie geschafft.

Dann sollte zunächst die Zeitspanne der einzelnen Treffen vergrößert werden. Auch gern über ein oder zwei Stunden. Wenn dies auch ohne große Probleme funktioniert, dann kann man darüber nachdenken als nächstes ein Tier zu dem anderen Tier ins Terrarium zu setzen. Da dies aber eine vollkommen neue Situation ist, sollte hier genau beobachtet werden, wie sie sich verhalten. Bei keinerlei Problemen kann dieses Treffen ein paar Stunden in Anspruch nehmen, aber unter ständiger Beobachtung, also immer im Raum anwesend sein.

Insgesamt wird diese Zeit zwischen 7 und 14 Tage beanspruchen. Länger sollte es aber nicht dauern, kann aber in Einzelfällen durchaus möglich sein. Vor allem bei älteren Tieren. Bei Jungtieren ist es meist innerhalb von einer Woche erledigt.

Wenn es bei den kurzen Treffen auf neutralen Boden zu Kämpfen kommt, nicht verzweifeln. Die Tiere wieder ins Terrarium bringen und ein paar Tage warten bis zum nächsten Treffen. Aber immer wieder zweimal am Tag die Seiten wechseln.

Es gibt aber Tiere, welche sich partout  nicht vergesellschaften lassen, dieses sei an dieser Stelle erwähnt. Es gibt klassische Einzelgängertypen. Kommt zwar selten vor, aber es ist möglich. Diese Tiere werden wohl ihr Leben lang allein verbringen. Dann ist aber wichtig, dass sie den Menschen als Bezugsperson haben und das man sich ausreichend um diese Tiere kümmert.

 

Ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag einigen etwas helfen konnte. Natürlich gibt es einige Pro und Kontra, und es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Das perfekte Allheilmittel hat niemand und jeder wird seinen Weg wählen. Aber ich finde diese Methode sehr gut und auch am schonendsten für die Tiere.
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